Wenn sich etwas öffnet, aber das Verstehen noch nicht greift
Nach intensiven Breathwork-Sessions berichten viele Menschen nicht von Klarheit, sondern von einer feinen unsteten Unruhe.
Etwas ist in Bewegung geraten. Der Atem hat Türen geöffnet – zu Gefühlen, Erinnerungen, inneren Bildern. Und doch fehlt oft ein Gefühl von Orientierung.
Das System hat Wellen geschlagen, doch findet (noch) kein Ufer, keinen Raum für Containment, um zu freizugeben, was losgelassen werden kann.
Manche beschreiben es als Weite, andere als Überforderung. Manche fühlen sich lebendig, andere verletzlich.
Was all diese Erfahrungen verbindet: Der Körper hat etwas berührt, das Worte noch nicht gefunden hat.
Breathwork kann viel öffnen.
Aber Öffnung allein ist noch keine Integration.
Warum Breathwork so tief wirkt
Bewusstes, verbundenes Atmen wirkt direkt auf das autonome Nervensystem.
Es kann Spannungen lösen, emotionale Ladung freisetzen und Zugang zu impliziten Erinnerungen ermöglichen – Erfahrungen, die nicht über Sprache gespeichert sind, sondern im Körper.
Gerade deshalb ist Breathwork für viele Menschen so kraftvoll.
Und genau deshalb braucht es einen sicheren, integrierenden Rahmen, besonders bei frühen Bindungs- oder Entwicklungstraumata.
Denn wenn sich innere Schutzmuster lösen, stellt sich nicht automatisch Sicherheit ein.
Manchmal entsteht zunächst das Gegenteil.
Öffnung ist nicht gleich Heilung
In meiner therapeutischen Arbeit begegne ich immer wieder Menschen, die sagen:
„Ich hatte so eine tiefe Erfahrung – aber irgendwie bin ich jetzt orientierungslos.“
Tiefe Erlebnisse können bewegend sein.
Doch nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch Intensität, sondern durch Verarbeitung, Beziehung und Wahlfreiheit.
Aus Sicht des NeuroAffective Relational Model (NARM) ist entscheidend, wie wir mit dem umgehen, was sich zeigt:
Integration bedeutet nicht, etwas „richtig zu machen“.
Integration bedeutet, dass der Körper wieder Halt findet.
Integratione bedeutet: im eigenen Tempo ankommen
Trauma-sensibles Breathwork fragt nicht nach dem nächsten Durchbruch.
Es fragt nach dem Dableiben.
Nach dem Moment, in dem der Atem wieder ruhig wird.
Nach der Frage, wie sich das Erlebte in den Alltag übersetzt – in Beziehungen, Grenzen, Entscheidungen.
Integration geschieht dort, wo Erfahrung in Beziehung gehalten wird:
Erst dann kann sich aus Öffnung etwas Verkörpertes entwickeln.
Breathwork im NARM-Therapie Kontext
In der Verbindung von Breathwork und NARM-Inquiry geht es nicht darum, möglichst viel zu fühlen.
Es geht darum, mit dem Erlebten in Kontakt zu bleiben, ohne sich darin zu verlieren.
Der Atem öffnet.
Die Inquiry hilft, Orientierung, Wahlmöglichkeiten und Selbstwirksamkeit wiederzufinden.
So entsteht ein Prozess, der nicht nur bewegt, sondern trägt.
Breath & Becoming
Breath and Becoming ist ein Raum für Menschen, die spüren, dass Öffnung allein nicht reicht.
Ein Raum für Integration, Verkörperung und langsames Ankommen.
Hier steht nicht die Intensität im Vordergrund, sondern die Frage:
Was braucht dein Nervensystem, um sich sicher zu entfalten?
Breathwork wird hier begleitet, eingebettet und gehalten – in Beziehung, im eigenen Tempo, mit Respekt vor dem, was da ist.
Was bleibt, wenn der Atem wieder ruhig wird?
Vielleicht ist es kein großes Aha.
Vielleicht ist es etwas Leiseres: mehr Boden, mehr Selbstkontakt, mehr innere Wahlfreiheit.
Manchmal beginnt Heilung nicht im Moment der Öffnung,
sondern dort, wo wir lernen, bei uns zu bleiben.